Sächsiche Zeitung - Lokalausgabe Radeburg
Absetzen und zurechtfinden - Ein Interview mit Tino Schröter Camp 12 - Listwijanka
Sächsische Zeitung vom 22. September 2005
von Paul Stadelhofer
Was mir besonders gefallen hat, war das Monotone und Kontinuierliche am Lagertag, sagt Tino Schröter nach zwei Wochen Urlaub in der russischen Wildnis. "Ich bin aufgestanden, das Feuer brannte schon und ich konnte heißen Tee trinken. Dann habe ich gearbeitet und saß abends eben wieder am Lagerfeuer. Im modernen Arbeitstag ist alles angespannter."
Mit der Transsibirischen Eisenbahn, dem Flugzeug und einem Haufen Enthusiasmus war Tino 23 Tage unterwegs. Nur die Daten eines anderen Reisenden und den Ort an dem er seine Gruppe treffen konnte hatte er vor Reiseantritt erfahren. Selbst ob er sich alleine aufmachen wollte, war ihm überlassen. Seine Reisebegleitung hat er trotzdem gefunden, und die Anreise war angenehm, sagt Tino. Als das Schiff nach der Ankunft vom Ufer des See's ablegte und die Gruppe zurückließ, war es aber doch ein seltsames Gefühl.
Drei Stunden Marsch vom nächsten Dorf entfernt, baute der Ebersbacher also mit seiner Gruppe in der Wildnis sein Lager auf. Eine Toilette wurde gebaut und die Zelte wurden im Dickicht platziert. Als das getan war, wurde der Urlaub sogar entspannend, erzählt Tino. "Ich sitze bei meinem Job etwa zu 80 Prozent am Computer", bedauert der 27-Jährige. Als Konstrukteur im Sondermaschinenbau arbeitet er bei Solarwatt in Dresden. "Deshalb war selbst die körperliche Betätigung, bei der Arbeit, ein positiver Effekt."
Selbst mit dem Essen war er zufrieden. Gekocht wurde am Feuer, und was die beiden über der Glut hängenden Töpfe eben hergaben, gab es dann. Ein Freund habe ihm vom Great-Baikal-Trail-Projekt erzählt, sagt Tino.
Gestartet wurde das Vorhaben von dem Dresdner Verein Baikalplan e.V.. Er verfolgt das auf den ersten Blick seltsam scheinende Ziel, einen Weg um den 600 Kilometer langen See zu ziehen. Aber es steckt mehr hinter der Idee.
Der Plan ist es, die Ufer des Sees durch den Great-Baikal-Trail erkunden und überwachen zu können. Zudem soll den verstreuten Dörfern am Ufer eine wirtschaftliche Perspektive im sanften Tourismus eröffnet werden. Nicht zu letzt wird für Wanderer und Schüler ein Stück großartiger Natur erschlossen. Unter anderem will der Baikalplan e.V. die Verantwortung für den Erhalt dieser einmaligen Landschaft verdeutlichen.
Viele Fragen blieben offen
"Mittlerweile muss ich sagen, dass auch ich voll dahinter stehe", meint Tino. Am Anfang war er skeptisch. Aber das hat sich geändert. Weil es ohnehin nicht aufzuhalten ist, dass der Tourismus zum See kommt und die Natur beeinflusst, empfiehlt er die Teilnahme am Projekt. Schon jetzt sind öfter Urlauber an dem See, die einige Zeit abseits der Zivilisation zelten, Müll machen und wieder abziehen. Der Baikalplan e.V. und der Weg jedoch ziehen nur Rucksacktouristen an, sagt Tino.
Einige Hotels sind zwar schon in die Höhe geschossen, "Wenn man es mit einem Mallorca Urlaub vergleicht gibt es trotzdem noch Unterschiede", erklärt er seine Begeisterung. Nicht zuletzt seien es die anfangs ungeklärten Fragen, die einen Ausflug mit dem Baikalplan e.V. spannend machen.
Weitere Informationen zum Great-Baikal-Trail-Projekt, zu weiteren Projekten des Baikalplans und zu seiner Zielsetzung gibt es auf der Internetseite: www.Baikalplan.de
