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Sächsiche Zeitung - Lokalausgabe Bautzen

In Sibirien an einem Tempel mitgebaut - Ein Interview mit Manuela Schubert Camp 32 - Datsan Narin Azagat sowie Camp 22 - Sabaikalski Nationalpark

Sächsische Zeitung vom 15. September 2005
von Madeleine Siegl-Mickisch

Man fühlt dort erst, wie gut es einem hier eigentlich geht", sagt Manuela Schubert nachdenklich. Die 23-Jährige aus Doberschau, die in Dresden Architektur studiert, war in diesem Sommer für zwei Monate in Sibirien. In einem Dorf in der Nähe des Baikalsees, wo die Burjaten, die größte ethnische Minderheit Sibiriens, leben, hat sie mit anderen Freiwilligen - überwiegend Russen, aber auch drei Deutschen - an einer buddhistischen Tempelanlage mitgebaut. Danach ging es für zwei Wochen in den auf einer Halbinsel gelegenen Nationalpark, wo eine Blockhütte als Informationszentrum des Parkes entsteht.

Der erste Einsatz verlief für sibirische Verhältnisse beinahe komfortabel: Gewohnt wurde in Holzhütten rund um den Tempel, Lebensmittel wurden im nahen Dorf eingekauft, es gab Waschgelegenheiten und auch ein Plumpsklo. Gearbeitet wurde allerdings unter einfachsten Bedingungen: Den Beton, der für den Bau kleiner Reliquienhäuser rund um den Tempel gebraucht wurde, "haben wir anfangs nur mit ein paar Schaufeln gemischt". Doch die faszinierende Landschaft und die herzliche Aufnahme bei den Einheimischen hätten dafür entschädigt. So konnten die Helfer an einer Zeremonie, die einmal im Jahr auf dem Hügel nahe des Tempels stattfindet, teilnehmen und wurden auch zu einem Fest eingeladen. "Man kriegt Einblicke, die man als Tourist nie bekommen würde", sagt Manuela Schubert begeistert. Beispielsweise habe sie verblüfft feststellen müssen, dass trotz der eigentlich spartanischen Lebensverhältnisse für die Leute dort Fernsehen, Computer und Handy keine Fremdwörter sind. Und noch etwas erstaunte sie: "Man wird anders als in Deutschland als Frau auf einer Baustelle total akzeptiert." Der Lama des Tempels habe sie sogar um den Entwurf für eine neue Form eines Reliquienhauses gebeten.

"Ich würde das jedem empfehlen", ist Manuela Schuberts Fazit ihres Einsatzes, auch wenn es mit Entbehrungen verbunden war. So war die Truppe von etwa einem Dutzend Freiwilliger im Nationalpark "total abgeschnitten von der Außenwelt". Es gab kein Telefon, kein Strom, gekocht wurde über offenem Feuer, geschlafen in Zelten und gebadet im kalten Baikalsee. "Aber wir haben uns alle gut verstanden." Und eine Wanderung sowie eine Bootstour von einer zur anderen traumhaften Bucht ließen auch hier manche Härte vergessen.

Durchbeißen müsse man sich schon können, blickt die junge Frau zurück. Das fing bei der Anreise an. "Da war ich ganz auf mich allein gestellt." Hinzu kommt: "Ich spreche kein Russisch." Doch solche Schwierigkeiten konnten Manuela Schubert nicht schrecken, schließlich hat sie bereits Auslandserfahrungen. Angefangen hatte alles mit Rumänien. Dorthin kam sie über die Bautzener Rumänieninitiative bereits als Teenager. Vorigen Sommer ging sie auf eigene Faust nach Indien - "ich brauchte einfach einen Ausgleich zum anstrengenden Studium" -, wo sie für ein paar Wochen an einer Schule für geistig Behinderte Englisch lehrte.

Auch in Zukunft möchte sie wieder einmal ins Ausland gehen, zunächst für ein Praktikum nach Spanien, weil sie auch die Sprache lernen will. Dann steht der Abschluss des Studiums und die sicher nicht leichte Arbeitssuche an. Am liebsten würde sie langfristig Beruf und soziales Engagement miteinander verbinden. Doch trotz ihrer Offenheit gegenüber anderen Kulturen möchte sie der Heimat nicht völlig den Rücken kehren.

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