Zurück

Nürtinger Zeitung - Zwei Wochen mit Hacke und Schaufel

Kristin Exel half beim Bau eines Wanderweges um den Baikalsee in Sibirien in Russland

Nürtinger Zeitung vom 15. Oktober 2005
von Mareen Schima

Copyright by Nürtinger Zeitung

NÜRTINGEN. "Great Baikal Trail" - mit 1800 Kilometern soll einer der längsten Wanderwege der Erde um den Baikalsee in Sibirien gebaut werden. Schon vor 30 Jahren hatte Oleg Kirillovich die Idee, einen Wanderweg zu errichten. Der Baikalplan, einziger westeuropäischer Partner des Great-Baikal-Trail-Projekts (GBT), wurde vor zwei Jahren in Dresden gegründet und griff die Idee wieder auf. Der Wanderweg ist dabei das größte Projekt des Baikalplan. Es werde wohl noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis der Weg komplett um den See angelegt ist. Im Sommer 2003 kamen die ersten Helfer. Kristin Exel, die in Nürtingen studiert hat, war eine der Freiwilligen, die 2005 beim Bau des Wanderweges dabei waren.

Dabei stieß die Studentin der Landschaftsplanung eher zufällig auf das Projekt. "Ich wollte ein Praktikum im Ausland machen und habe im Internet recherchiert. Ich hatte schon immer die Absicht, nach Russland oder Sibirien zu gehen", sagt Kristin Exel. Vor allem gefalle ihr dort die unberührte Natur. Außerdem erwähnt sie, dass sie noch nie östlich von Deutschland war und sie auch deshalb großes Interesse an dem Projekt gefunden habe. Eigentlich wollte Kristin Exel die Kartierung des Wanderweges übernehmen, doch dafür ist es nötig, die russische Sprache fließend zu beherrschen.

Abenteuerliche Reise

Schon allein die Reise zum Baikalsee erwies sich als recht abenteuerlich. Kristin Exel nahm zunächst das Flugzeug von Berlin nach Moskau, in dem sich noch vier weitere Teilnehmer eines anderen Camps befanden. In Moskau traf sie auf weitere Freiwillige aus verschiedenen Ländern. So waren zum Beispiel Helfer aus Amerika, Russland, der Schweiz oder Schweden mit dabei. Verwundert habe Kristin Exel aber auch festgestellt, dass viele Teilnehmer aus Deutschland kamen.

Von Moskau ging es dann drei Tage lang mit der Transsibirischen Eisenbahn in Richtung Irkutsk. "Der Zug hielt manchmal eine halbe Stunde und wir hatten dann die Möglichkeit, Essen zu kaufen", erzählt Kristin Exel. Sehr erfreut war sie über die Gastfreundschaft der Russen, mit denen sie im Zug ein Abteil teilte. "Sie gaben mir von ihrem Essen. Natürlich boten sie mir auch Wodka an", lacht Kristin Exel. In Irkutsk wurden die Wanderwegbauer dann von einer Dame der Organisation abgeholt und im Baikal Hostel untergebracht. Nach einer Stadtbesichtigung wurden die sieben Teilnehmer des Camps mit einem für das Land typischen Minibus, der so genannten Maschrutka, nach Listwijanka gebracht. Von dort ging es weiter mit dem Boot über den See zum Camp Nummer 17. "Schon die Fahrt zum Camp war beeindruckend. Man konnte die kräftig grünen Berge betrachten. Das blaue Wasser schien nach Norden hin endlos und der Fahrtwind flatterte um die Ohren", schwärmt Kristin Exel. Die Lagerstelle war bereits von anderen Freiwilligen angelegt, die schon am Weg gebaut hatten. Übernachtet wurde in Zelten. Um den See verteilt arbeiteten mehrere Camps an verschiedenen Wegabschnitten.

Kristin Exel lernte im Camp das Schnitzen und Holzhacken von einem Mann aus Alaska, der bereits das zweite Mal an einem Camp teilnahm. Gewöhnungsbedürftig seien die vielen warmen Mahlzeiten am Tag. "Morgens gab es Kascha, eine Art Brei, mittags eine Suppe mit Kartoffeln und abends wieder ein warmes Essen", erzählt Exel. Gekocht wurde in zwei Eimern über dem Feuer. Bei Regen war dies ein eher schwieriges Unterfangen.

Baden und waschen musste man sich im kalten Baikalsee. "Das hat mich schon Überwindung gekostet. Wir sollten auch nur drei Minuten im Wasser bleiben, da sonst Erkältungen drohen. Nun vermisse ich das erfrischende Wasser des Baikalsees", sagt Kristin Exel. Aber das kalte Wasser hatte noch eine andere Funktion: Butter und Schokolade wurden im kühlen Nass frisch gehalten, das somit den Kühlschrank ersetzte. Zum Bau des Weges wurden alle vier Meter Holzpfähle in den Boden gerammt, die den Verlauf des künftigen Wanderweges markierten. Jeder der sieben Teilnehmer aus Kristin Exels Camp bekam einen Abschnitt zugewiesen und zog eine Linie von Pfahl zu Pfahl, um einen geraden Weg zu schaffen. Dann musste der Oberflächenbewuchs samt den Wurzeln entfernt werden. Auch musste die Steigung des Hanges von 90 auf 45 Grad abgeflacht werden. "Praktisch ließ es sich aber teilweise schwer umsetzten, vor allem in stark durchwurzeltem oder felsigem Boden", erzählt Kristin Exel.

Ehrgeizige Ziele mit Projekt

Die Schaffung des Wanderweges erwies sich häufig als mühsam und sogar gefährlich. Oft mussten die Teilnehmer große Steine mit Eisenstangen aus dem Weg räumen. "Einmal habe ich eine kleine Steinlawine ausgelöst" berichtet Exel. Das Projekt wird die Beteiligten noch lange beschäftigen. Die gebauten Wege müssten auch in Stand gehalten werden.

Ziele des ehrgeizigen Planes seien, die Ufer des Sees zugänglicher zu machen und den am See gelegenen Dörfern eine wirtschaftliche Perspektive durch sanften Tourismus zu eröffnen. Zwei Wochen lang waren Hacke und Schaufel Kristin Exels Wegbegleiter. "Sehr gerne würde ich nochmal zum Baikalsee und am Wanderweg bauen. Dann möchte ich aber auch die Sprache lernen, damit ich die Leute wenigstens ein bisschen verstehe", sagt die Studentin.

Zurück