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Achimer Kurier - Urlaub mit Säge und Axt in Sibiriens Einöde

Achimer Kurier vom 10. September 2005
von Christian Weth

Familie Giebler pfeift auf Club-Ferien - und baut lieber zwei Wochen an einem Wanderweg am Baikalsee mit ACHIM. Familie Giebler ist ein Team. Das sieht man sofort. Jeder trägt das gleiche T-Shirt: Mutter Regina, Vater Genadi, Sohn Johannes. "GBT" steht auf ihrem Partnerlook, "Great Baikal Trail".

Und an diesem Wanderweg, der einmal der weltweit längste werden soll, haben Gieblers mitgebaut - in der Einöde Sibiriens, wo es nichts gibt außer Bäume, Berge, Wasser. Wohin es Achimer eben so zieht, die einen Urlaub mit Rundum-Service gar nicht mögen. "Tee und Suppe", stöhnt Sohn Johannes, "jeden Tag". Zwei Wochen lang. Das kann auch den Spross von Eltern, die Club-Ferien ablehnen, nach Cola und Snickers gierig werden lassen. Dass die Küche im Camp am Baikalsee hauptsächlich nur zweierlei bot, lag nicht etwa an eintönigen Vorräten. "Wir hatten alles - Tomaten, Reis, Büchsenfleisch", zählt Mutter Regina auf.

Aber: "Es gab nur zwei Eimer zum Kochen, einen fürs Teewasser und einen, in den notgedrungen alles reinkam." Heraus kam ein Essen, halb Suppe, halb Eintopf. Spärliche Kost für Arbeiter, die eine Strecke von fünf Kilometern durch Wald und Sumpf gangbar machen sollen: "Ja, ein bisschen abgenommen haben wir dabei", sagt Vater Genadi und schaut an sich herunter.

Um sieben aufstehen, um neun in den Wald, Bäume fällen, Pfade schlagen, Tritte über Schwemmland bauen, fünf Stunden jeden Tag - das zehrt. Und das ist dennoch "riesig", "wunderbar", "einzigartig", schwärmt jeder der Gieblers auf seine Art. Für die Landschaft, die Einsamkeit, das kristallklare Wasser, selbst dem Mangel gewinnt Johannes im Nachhinein etwas ab: "Ein Bett, ein Kühlschrank - jetzt weiß man erst, was man hat." Im Camp nordöstlich des Baikalsees hatten sie nichts. Keinen Herd, kein festes Dach überm Kopf und zuerst auch kein Klo. Das haben sie selber zimmern und die dazugehörige Grube schaufeln müssen. Gemeinsam mit Schweizern, Russen und Österreichern, die als Nachzügler das Mini-Zeltdorf am Ufer des tiefsten Sees der Welt international machten.

Für die Arbeit am Great Baikal Trail, der einmal mehr als 2000 Kilometer lang sein soll, werben Vereine weltweit. Eine Herausforderung, der sich vor allem junge Leute stellen. "Meine Frau und ich waren die Ältesten im Lager", sagt Genadi Giebler. Beide sind 45, und beide waren deshalb nicht nur für Sohn Johannes Papa und Mama. "Auch Jegor, der Russe, und andere im Camp haben uns zum Scherz so gerufen", schmunzelt Vater Giebler. Und wie Papa und Mama sind sie morgens auch als erste raus aus den Schlafsäcken. Und abends als erste wieder ins Zelt gekrochen, während die jungen Leute noch zusammensaßen, dick eingemummelt in Regenzeug und Trainingsanzügen, nicht gegen Kälte oder Nässe, sondern wegen der zahllosen Plagegeister.

Johannes: "Sobald auch nur ein bisschen Haut hervorlugte, war man total zerstochen." Und weil Mücken wie auch daumengroße Käfer immer und überall waren, kochten, arbeiteten und wanderten die Wegebauer stets in langen Hosen und langen Hemden - "auch bei 30 oder 40 Grad", betont das Familienoberhaupt. "Einer der Schweizer hatte sogar beim Essen den Imkerhut aufgelassen", sagt Genadi Giebler und spielt mit dem Gedanken, im nächsten Jahr erneut einen Trail zu bauen - "vielleicht wieder am Baikal, aber auch der Yukon ist schön".

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