Camp 17 in Listwijanka vom 29.07. - 11.08.2005 "Ready to go" - Erlebnisse einer GBT-Teilnehmerin
von Kristin Exel
Nach längerem Aufenthalt am Moskauer Bahnhof stiegen wir am 23.7. nach 23 Uhr in die Transsibirische Eisenbahn Richtung Irkutsk. Zu meiner freudigen Überraschung hatte ich eine Reservierung* direkt im ersten Wagon hinter der Lock. Das Vierer-Coupé teilte ich mit drei jungen Russen. Sie waren sehr nett, boten mir Wodka und auch einiges zu essen an. Zu meinem Glück konnten sie gut englisch sprechen.
Am Bahnhof in Irkutsk wurden wir von Natascha abgeholt und übernachteten im Baikalhostel. Am 29.07. starteten wir morgens vom Busbahnhof aus mit dem Maschrutka nach Listwijanka am Baikalsee, um von dort aus mit dem Boot zum Camp zu gelangen.
Die Lage des Camps zwischen den Orten Bolshoi Koty und Listwijanka direkt am Baikalsee war herrlich. Auf den ersten Blick erinnerte es mich an einen Märchenwald. Mitten im Grünen oberhalb vom Strand tauchten ein paar Zelte auf. Im Vordergrund standen, liebevoll ums Lagerfeuer herum, drei selbst gemachte Holzbänke.
Wie sich schnell herausstellte war unser Camp ein sehr kleines mit insgesamt sieben Personen.
Als Teilnehmer waren Dave aus Alaska, Anna aus Californien, Nelly aus Russland, Catherine und ich dabei. Geleitet wurde es von Wladimir und seiner Freundin Natascha, die uns immer fleißig übersetzt hat.
Der ersten Abend war ein Kennenlernabend mit lustigen Geschichten. Die zwei folgenden Tage waren frei. Am ersten "Day-Off", erkundeten wir die bereits fertige Wegstrecke Richtung Listwijanka und unsere Arbeitsstrecke Richtung Bolshoikoty. Es war hier schon ein Trampelpfad vorhanden, welcher allerdings teilweise unkenntlich, gefährlich nahe am Hang zum See oder zu "wellig" verlief. Wir besprachen deshalb unser Vorgehen beim Wegebau.
Am ersten Arbeitstag erhielten wir eine Einführung in die Handhabung der zahlreichen Werkzeuge und kurz danach tönte es zum ersten Mal: "Ready to go?". Diesen Schlachtruf hörten wir folglich mehrmals am Tag. Es war auch nicht immer ein sofortiger Aufbruch damit gemeint, denn nach der langen Mittagspause bedeutete es nur soviel wie: "Seid Ihr noch alle da? In einer halben Stunde gehts los."
Die Arbeitstechnik lässt sich leicht erklären: Zuerst wurde der Verlauf des Weges etwa alle vier Meter mit Holzpfählen abgesteckt. Jeder bekam einen solchen Abschnitt und hatte erst einmal eine Linie von Pfahl zu Pfahl in die Erde zu hauen um eine gerade Anbindung zu gewährleisten. Anschließend hieß es den Oberflächenbewuchs samt Wurzeln zu entfernen und von der Linie aus einen 90 Grad Winkel in die Erde zu graben mit etwa 60 cm breiter ebener Fläche zum Gehen. Zu guter Letzt musste der 90 Grad Hang noch um 45 Grad abgeflacht werden. Praktisch lies es sich allerdings teilweise schwer umsetzten, vor allem in stark bewurzeltem und stark felsigem Boden. Nicht selten hatte man da einen "großen Brocken" auszugraben.
Nachdem wir abends alle kurz im See gebadet und und gespeist hatten war danach entweder frei oder es standen Spiele oder ein Ausflug zum 60-Schüler-und-Studenten-Wochenendzeltlager in der nächsten Bucht zum Essen und Liederabend auf dem Programm.
An einem freien Tag sind wir nach Listwijanka gewandert und dort ins Holz-und Naturkunde-Museum gegangen. In letzterem befanden sich einige eindrucksvolle handgezeichnete und -beschriebene Tafeln mit Karten und Erklärungen auf russisch zum Baikalsee.
Als Küchendienst war man als einzelne Person ganz schön gefordert mit Wasserholen,
Feuermachen und -unterhalten, Gemüseschneiden, Kochen oder Braten, Tischdecken- und
abräumen, Spülen, ab und zu Holzhacken und und und... Meist gab es sogar dreimal am Tag warmes Essen: morgens Kascha, mittags eine Suppe und abends ein Gericht nach Art des Küchendienstes. Einmal bekamen wir frisch gefangen Omul von den Fischern.
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat und ich viele positive Erfahrungen gemacht habe. Ich habe viele nette Leute getroffen, schön war es auch, dass wir bei den Eltern von Natascha in Irkutsk übernachten und essen konnten und dass mir fast immer (meistens Catherine) jemand übersetzen konnte. Die vier Wochen waren insgesamt auch relativ günstig. Mit Fahrt und Campkosten habe ich für alles im Durchschnitt 18 Euro pro Tag ausgegeben.
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