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Sächsiche Zeitung - Lokalausgabe Riesa

Leben mit Bären und Mücken - Ein Interview mit Angelika Eulitz Camp 2 - Werchne Angara/ Nordbaikal

Sächsische Zeitung vom 05. Oktober 2005
von Thomas Riemer

Wenn einer eine Reise tut... Ja, Angelika Eulitz hat tatsächlich viel zu erzählen. Weltenbummlerin - wahrscheinlich hört sie den Begriff auf sich bezogen nicht gern. Aber wer zwei Tage vor der Tsunami-Katastrophe aus Sri Lanka abgereist ist, hat ganz sicher etwas davon. Und die Seerhausenerin hat inzwischen schon das nächste Abenteuer hinter sich. Vier Wochen war sie unterwegs am Baikalsee im tiefsten Russland. Gemeinsam mit anderen freiwilligen Helfern unterstützte sie dort mit Hacke und Schaufel den Bau eines der längsten Wanderwege der Welt. Insgesamt rund 1 800 Kilometer soll er rund um den Baikalsee einmal lang sein.

"Das Abenteuer reizte", sagt Angelika Eulitz. Und sie hat jede Menge Nervenkitzel in dieser Zeit erlebt. Zunächst bei der einwöchigen Hinfahrt nach Sibirien. Schon im Zug auf dem Weg nach Moskau hatte Angelika Eulitz erste Bekanntschaften geschlossen, schließlich war man vier Tage zu viert in einem Abteil untergebracht - 1. Klasse übrigens. "Die haben mich mit Essen versorgt, wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten", berichtet sie. Ein nächstes Erlebnis: Als Angelika Eulitz erfahren wollte, wie sie am besten ins Moskauer Zentrum kommt, hat sie ein Mann einfach in sein Auto gewunken und ist dann direkt zum Roten Platz gefahren...

Drei Hunde im Team

Weiter ging die Reise dann nach Severobaikalsk, einer Stadt, die durch den Bau der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) entstanden ist. Dort wurden Werkzeuge und Lebensmittel für zwei Wochen beschafft, ehe es mit dem Schiff über den Baikalsee zum nördlichen Ufer ging. Das Abenteuer begann nun richtig. Abgeschieden von jeglicher Zivilisation legten die Helfer, darunter drei aus Deutschland, einen der ersten Abschnitte des Wanderweges am Baikalsee an. Bäume mussten gefällt, Steine und Unterholz aus dem Weg geräumt werden, was nicht immer ungefährlich war. Auch die Bären der Gegend durften nicht unterschätzt werden, und so war teilweise ein russischer Jäger mit seinen drei Hunden Mitglied des Teams.

Geschlafen wurde in Zelten am Ufer des Baikalsees, gekocht am Lagerfeuer, gewaschen und gebadet im kalten und klaren Baikalsee.

Kein leichter Job also für Angelika Eulitz. Das merkte sie gleich am Anfang - allerdings auf ganz andere Art. "Als wir in die Arbeit eingewiesen wurden, war das in einem Raum, der schwarz von Mücken war", sagt sie.

Unvergessen wird bei der Seerhausenerin eine dreitägige Wanderung durch die Taiga bleiben. "Wir hatten eine Karte. Die entsprach vergleichsweise einer Deutschlandkarte, auf der wir den Jahnatalweg finden sollten", erinnert sie sich und lacht. Begleitet von Millionen Mücken machte sich das Team auf den beschwerlichen Weg - das Ziel da irgendwo am Horizont immer vor Augen. "Ein bisschen mulmig" sei es gewesen, als unterwegs abgeknickte Bäumchen auf die Nähe von Bären deuteten. "Ich war froh, als wir wieder da waren", gibt Angelika Eulitz zu. Und beim Erzählen merkt man, wie sie auch jetzt noch, knapp drei Monate nach der Reise, Eindrücke und Erlebnisse verarbeitet.

Die nächste Tour im Blick

Der "Ausflug" nach Sibirien soll nicht das letzte Abenteuer für Angelika Eulitz gewesen sein. "Die nächste Tour habe ich schon im Blick", verrät die 49-Jährige. Mehr wird nicht verraten. Dass sie ihr Mann, die beiden Töchter und der Sohn dabei unterstützen, sei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Gut möglich, dass auch das aber nach dem Motto passiert, das Angelika Eulitz für sich aufgestellt hat: "Vertrauen haben in das, was man macht."

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