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Camp 4 - Pribaikalski Nationalpark 12. - 25. Juni 2007

von Beate Failner-Enke

Wer hätte das gedacht, dass vier mittel alte und sechs noch recht junge Menschen so gut zusammen arbeiten können und sich auch noch über die Dauer von zwei Wochen ohne viel Einwirkungen von außen so gut verstehen. Das Workcamp 4 war von Freundlichkeit, Toleranz, Fröhlichkeit, Neugier und Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt. Dass hört sich jetzt etwas schnulzig an, aber es war so. Wir, drei mittel alte Deutsche, ein pensionierter russischer Polizist, eine junge Lehrerin aus Amerika und fünf Studentinnen und Studenten aus Irkutsk und Ulan Ude haben zusammen gearbeitet und in russischer und englischer Sprache viel allgemeine und persönliche Informationen ausgetauscht. Das war ein wesentlicher und sehr angenehmer Teil des Workcamps. Christian (72) aus Bischofswerda hat uns alle immer wieder mit seiner Kraft verblüfft, Igor wusste als langjähriger Biologe, Umweltschützer und Baikalseeliebhaber wirklich immer ein Antwort auf unsere Fragen. Teamleader Natascha, Assistentin Anja und Übersetzerin Dinara waren ein unvergleichliches Trio mit immer guter Laune. Die hatte auch Wanja immer, außerdem war er ein unermüdlicher Arbeiter. Pascha ist wirklich an jeden Tag in den See gegangen (6-12 Grad), manchmal auch abends. Wir "Alten" wären vielleicht mit etwas weniger Gruppenspielen ausgekommen, aber den jungen Menschen hat es Spaß gemacht. Ich habe viel von den Informationen über den See und den russischen Alltag mitgenommen und die Sagen und Legenden genossen.

Der Teil des Trails an dem wir arbeiteten, ist eine von den gut besuchten. Das bedeutete an den Wochenenden schon mal mehr als zehn Wanderer am Tag, die an uns vorbeizogen, während der Woche waren es weniger. Wir haben vorwiegend Russen aber auch Australier, Neuseeländer, Kanadier und Schweizer gesehen und gesprochen. Alle haben sich für das Projekt interessiert und sich für die Arbeit bedankt. Wir haben den Weg verbreitert und auch eine neue Strecke angelegt, weil die alte inzwischen zu nah am Steilufer entlang ging. Die Arbeit war anstrengend, es war auch ganz gut warm die ganze Zeit über, aber wir wurden nicht überfordert. Wer langsamer war, war eben langsamer oder wer keine Baumwurzeln abschneiden wollte (?), musste das auch nicht machen. Ich habe eine Grabegabel wirklich vermisst, zum abheben der Grasnarbe ist sie doch wesentlich Rücken schonender als ein Pickel und Kräfte sparender als ein Spaten - gab es aber nicht.

Die Verpflegung war immer reichlich. Wir hatten das Glück, einen Bach als Kühlschrank benutzen zu können und mussten auch die Vorräte nicht weit tragen, sie wurden mit dem Boot angeliefert. Auch die Zelte standen schon vom vorherigen Camp und blieben für das nächste stehen. So konnten wir uns weitgehend auf den Weg konzentrieren.

Ich darf die Managerin nicht vergessen. Sie ist Mitglied der Rotarier von Irkutsk, hat uns auch mit Familie besucht. Sie hat sich sehr eingesetzt, es hat auch alles gut geklappt.

Das Freizeitprogramm waren Wanderungen und Museumsbesuche. Wir haben über Sinne und Verstand viel über den See erfahren. Der Baikalsee - wirklich einzigartig. Ich spüre heute noch die Ruhe dieses Aufenthalts, die Atmosphäre am See in meinen Knochen. Die Distanz zur zivilisierten Welt und die Erfahrungen in Russland insgesamt (weniger Organisiertheit und Enge) haben mir sehr gut getan. Auch die Reise hin und zurück im Zug fand ich sehr entspannend. Rein in die Transsib, Verantwortung für dreieinhalb Tage abgeben und gründlich durchschaukeln lassen – wunderbar. Wir sind mit unseren paar Brocken russisch, englisch und Händen und Füßen ganz gut durchgekommen.

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