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Camp 18 in Tanchoi vom 21.07. - 04.08.2006

von Michaela Böhme

Treffen war am 22.07. morgens um 7 am Bahnhof von Irkutsk. Unsere Gruppe bestand aus 7 Teilnehmern (2 Deutsche, 1 Brite, 4 Russen), weitere aus Ulan Ude sollten folgen. Dann ging es 4 Stunden mit der Elektritschka einmal um die Südspitze des Baikalsees bis nach Tanchoi.

Im dortigen Umweltzentrum wurde unser kleines Grüppchen wohl zum vorerst letzten Mal mit guter russischer Küche verköstigt. Zwei lange Wochen mit Dosenfleisch, Kondensmilch und Schokolade sollten folgen. Aber zwischen den guten Pelmeni und der ersten Kondensmilch lagen noch 6 km langer sumpfiger Weg durch die Dschungels des Chamar-Daben Gebirges vor uns. Ich weiß schon, Teilnehmer anderer Camps werden jetzt lächeln... aber ich möchte hinzufügen, dass wir, da das erste Camp, sämtliche Utensilien, wie besagte Konserven und Werkzeuge aller Art mit in unser Gepäck aufnehmen mussten.

Nun war das gar nicht mal das Schlimmste. Viel anstrengender waren die Mücken, die einen auch noch zwangen in langen Sachen zu wandern. Aber so wie alles im Leben nun auch immer eine positive Seite hat, habe ich auch etwas gelernt, nämlich das es eher schmerzhaft als sinnvoll ist, sich Anti-Mückenmittel ins verschwitze Gesicht zu schmieren. Einer Erfahrung, die ich wohl noch an meine Enkel weiter geben werde… Und es folgten 8 km Weg durch die herrlichste Natur. Vorbei an einem Dickicht aus riesigen Farnen, verschlungene Wege durch wilde Wälder, Hängebrücken über rauschende Flüsse und steile Abhänge, die nur Dank der tollen GBT-Trails begehbar waren.

Unserer Mission lag vor uns und wir waren bereit!

Aber bevor wir der Welt durch unsere Arbeit beglücken konnten, hieß erst mal Zelte aufbauen. Eine sehr ernüchternde Arbeit, wenn man so voller Tatendrang steckt. Unser Lagerplatz, wenn ich ihn mal anhand einer Wohnung beschreibe, war sehr geräumig. Da gab es einmal die Küche, die auch die Funktion eines Wohnzimmers besaß und den sozialen Mittelpunkt darstellte, wie das nun mal Küchen und Wohnzimmer so an sich haben. Das Arbeitszimmer, Bärenschutzvorrichtungszimmer und Speisekammer stellte eine kleine Holzhütte dar. In dieser wurden dann zum Beispiel auch geheime Besprechungen der Führungsschicht abgehalten.

Dann hatten wir noch ein Outdoor-Klo... sehr gruselig im Dunkeln. Das Badezimmer war eine Etage tiefer in Form eines eiskalten Baches, der sich aber nach getaner Arbeit noch als wahres Geschenk des Himmels entpuppen sollte. Besonders an unserem Camp war sicherlich die Strecke zwischen Wohn- und Arbeitsplatz, die one-way ca. 1 Stunde Fußmarsch ausmachte.

Unsere erste Aufgabe bestand darin bereits bestehende Wege vom Vorjahr wieder zu erneuern. Des Weiteren war es wohl die selbe oder ähnliche Arbeit wie bei anderen Camps auch: Bäume fällen, Steine schleppen, Freischneiden, Wege verbreitern, Markierungen setzen, Treppen bauen und Ränder befestigen. Und das alles am wohl schönsten Arbeitsplatz der Welt.

Manchmal habe ich mich gefragt, was tust du da eigentlich? Da gibt es noch ein so schönes Fleckchen unberührte Natur auf dieser Erde und du wütest hier rum und hilfst diesen auch noch zugängig zu machen für den Menschen. Erschreckende Müllberge entlang des Baikals kamen mir in den Sinn. Die GBT-Leute haben mir erklärt, warum es so wichtig ist gut ausgebaute Wanderwege zu haben und dennoch kam ich mir manchmal zerstörerisch vor bei der Arbeit.

Das schönste während des Camps war sowieso Dutie zu sein. Ich weiß gar nicht, ob das alle hatten. Bei unserem Camp ist man morgens gegangen und erst um 19 Uhr wieder heim gekommen. So konnte man als Dutie den ganzen Tag im Camp bleiben und musste nur Abendessen kochen. Es gibt doch nichts Schöneres als morgens nach dem Frühstück auf der Holzbank am Holztisch zu sitzen, noch einen Kaffee zu schlürfen und die Anderen beim Aufbruch zu beobachten. Das war auch die einzige Möglichkeit mal seine Klamotten zu waschen oder auch sich selber einer Komplettreinigung zu unterziehen.

Bärenalarm hatten wir auch einmal nachts. Da mussten wir alle in die Hütte, bzw. auf die Hütte, denn mittlerweile waren wir 12 Leute und in der Hütte schliefen normalerweise Drei. Das war für mich sehr spannend und aufregend, sowohl das mit den Bären als auch das mit der Hütte. Am nächsten Morgen hat mir Katja, eine Praktikantin des Umweltzentrums, Bärenspuren direkt vor dem Eingang meines Zeltes gezeigt. Daraufhin habe ich mich mit ihr gestritten, weil ich bis heute noch überzeugt bin, dass es meine eigenen Fußspuren waren. Dafür war unser häufigster und frechster Gast das Streifenhörnchen (Burunduk).

So gingen zwei Wochen rum wie im Fluge. Dafür hat sich mein russisch Wortschatz, der vorher gering bis gar nicht vorhanden war, um sämtliche einheimische Tierarten des Khamar-Daban-Gebirges erweitert.

Anschließend machten wir noch einen 2-tägigen Ausflug zur alten Transsib-Strecke, der eine ungeplante Übernachtung im Bahnhofsgebäude von Sljudjanka beinhaltete und einen schönen Ausklang für unser Camp darstellte. Ich hoffe unsere Nachfolger haben die versteckten Werkzeuge und Lebensmittel im Wald gefunden und ebenfalls 2 wundervolle Wochen gehabt.

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