Konferenz "Nachhaltiger Tourismus am Baikalsee"
Der Tourismus ist die große Hoffnung der Baikalseeregion. Wie dieser entwickelt werden soll und kann, ist hingegen umstritten. In Moskau verspricht man sich von der Einrichtung einer touristischen Sonderwirtschaftszone bei Listwijanka und der Errichtung mehrerer Hotels inklusive Kongresszentrum einen erheblichen Aufschwung, viele Einheimische und auch Baikalplan setzen ihre Hoffnungen eher auf die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus. Aber auch hier ist umstritten, was "nachhaltiger Tourismus" genau bedeutet. Verstärkt wird der Konflikt dadurch, dass "sustainable" ins Russische lediglich mit "stabil" übersetzt wird.
Grund genug für den Irkutsker Oblast und die Umweltorganisation Baikalwave vom 5. - 7. November 2006 eine Konferenz zum Thema "Nachhaltiger Tourismus am Baikalsee" zu organisieren. Erstmals kamen Vertreter aller Interessengruppen zusammen, angefangen bei der Administration, Vertretern der Nationalparks, Geschäftsleuten, Organisationen sowie Privatpersonen.
Zu Beginn gab es mehrere Einführungsreferate mit teilweise sehr heftiger Kritik an der Arbeitsweise und Korruptheit der Verwaltung. Trauriges Beispiel hierfür war der Vortrag von Wladimir Rjabizew (Nationalparkleiter des Pribaikalski Nationalparks an der Westküste des Sees), der darauf hinwies, dass er keinerlei Einfluss auf die Erteilung von Baugenehmigungen auf dem Nationalparkterritorium hat bzw. die Verwaltung nichts gegen Schwarzbauten unternimmt. Als einziger Vertreter aus dem Ausland versuchte Baikalplan darzustellen, dass zumindest für ausländische Touristen die Region sich kaum zur Entwicklung eines Massentourismus eignet und welche Schritte aus unserer Sicht notwendig sind, um die Entwicklung des Tourismus und den Schutz der einmaligen Natur am Baikalsee in Einklang zu bringen. Wichtig ist für uns dabei auch, dass diese Entwicklung auch der lokalen Bevölkerung zu gute kommt, ist doch bereits jetzt die Einkommensschere zwischen Stadt- und Landbevölkerung in der Region sehr groß.
Wichtigstes Ergebnis des sich anschließenden Workshops im Hotel Burduguz war, einen wirklich sehr intensiven Austausch zwischen den unterschiedlichen Interessenvertretern angeregt zu haben. Interessant für uns war es zu erleben, dass alle Beteiligten sehr kontrovers diskutierten, wenige Minuten später aber bereits wieder miteinander lachten und am Abend feierten.
Fotos von der Konferenz sowie dem angeschlossenen Workshop >>
